Sonntag, 30. Dezember 2012

"Syrisches Tagebuch: Rückblick auf 7 Monate Berichterstattung"

"Der russische Sender Rossija-24 veröffentlichte vor 3 Tagen einen Rückblick auf die 7 Monate Berichterstattung, in denen das Team von Anastasia Popowa vor Ort in Syrien war. Diese Zeit geht auch an hartgesottenen Journalisten nicht spurlos vorüber; sie haben vor Ort viele Freunde gefunden und durch den Terror auch einen Teil von ihnen wieder verloren. Der Film ist denn auch insgesamt den Opfern des Terrors in Syrien sowie speziell Amir Abu Dschafar gewidmet. Der tauchte erstmals in einem Videobericht aus Homs auf und wurde später von FSA-Banden entführt und bestialisch ermordet.
Dieser Film ist im Original etwa 44 Minuten lang (die deutsche Fassung ist um ein-zwei Minuten kürzer, es sind ein paar Passagen mit "ääääh" und "hmmm" entfernt worden, die sich schlecht von einer Übersetzung untermalen lassen) und soll auf rein emotionaler Ebene greifen - ohne irgendwelche taktischen oder gar strategischen Implikationen. Man kann die Sache aus dem fernen Europa auch nüchtern sehen und Elemente von Schwarz-Weiß-Malerei identifizieren; insgesamt ginge der Film sicher gut unter dem Label "Propaganda" oder, sagen wir es positiver, "Informationskrieg" durch. Das kann man von der Seite aber ruhig auch einmal zulassen. Das Aufbauen von Emotionen ist charakteristisch für diese Art Film. Aber das Aufzeigen der ausufernden Brutalität gegenüber den Zivilisten und den Gefangenen unter dem Deckmantel eines Glaubenskriegs ist hier essentiell und der Grundtenor, den es zu transportieren gilt. Krieg ist Krieg, Soldaten sterben - das ist in diesem üblen Kontext "normal". Aber man kann sich fragen, wofür oder für wen sie das tun. Man muss also nicht alles daran mit dem propagandistischen Generieren von Stimmungen abtun. Nebenbei interessant auch das Interview mit Yara Saleh von Al-Ikhbaria, die eine knappe Woche in der Gefangenschaft der FSA-Banditen verbracht hat und von der Armee befreit worden ist.
 
Das Team von Anastasia Popowa wurde in Russland mit der eigentlich Militärs vorbehaltenen Tapferkeitsmedaille geehrt. Nicht sehr verwunderlich: sie sprinten zusammen mit den Soldaten durch Kugelhagel und riskieren wirklich etwas, um authentisch zu sein. Im Sinne dessen, dass Kriege heutzutage offenbar überwiegend in den Medien ausgefochten werden, ist das also richtig. Und diese Linie ist damit von russischer Seite auch offiziell gewollt und unterstützt - siehe auch die Definition des Personenkreises, der für eine solche Auszeichnung in Frage kommt: "in Ausnahmefällen an Zivilisten für persönliche Tapferkeit bei der Verteidigung des Vaterlandes."
  
Das deutsche Transkript des Films wird hierunter in recht roher Form mit veröffentlicht, falls sich irgendwer dazu berufen fühlt, die Sache nach Kisuaheli usw. zu übersetzen - es war ein mühevolles Durchhören und Aufschreiben, denn bei Vesti.ru wurde der Text nicht veröffentlicht. Kann auch sein, dass es da gar keine Textfassung gibt, es ist ja keine Nachrichtensendung. Die Absätze sind (so gut wie) alle mit Timecodes (mmss) und Dauer markiert; die Offsets beziehen sich auf den Originalfilm. Das also bitte als Daten (und weniger als Lektüre) betrachten.

Anastasia Popowa:
0202-0239 37s
Es ist nun schon einige Zeit vergangen, aber es fällt immer noch schwer, all das zu verarbeiten und zu begreifen, was wir gesehen haben. Das alles scheint ein völlig irrealer Alptraum zu sein, ein seltsames Bild, das es im Prinzip gar nicht geben kann, sowas kann einfach nicht sein. Es war da ein schönes, gutes und friedliches Land. Und in den 7 Monaten, innerhalb derer wir vor Ort waren, wurde diese Idylle einfach in die Luft gesprengt. Wir haben mit vielen Menschen an verschiedenen Orten gesprochen, sowohl mit Armeeangehörigen, als auch mit Zivilisten. Jetzt kann ich nicht einmal sagen, wer von diesen überhaupt noch am Leben ist. Oder ob sie morgen noch leben werden. Unser Film ist ein Blick auf die Ereignisse in Syrien durch die Augen derer, die bereits verurteilt sind.

Nabil, Einwohner von Homs
0256
Jeder, der nach Syrien kam, wusste, dass es bei uns sehr friedlich ist, es gab nicht solche und solche, wir lebten alle gleich. Jeder hatte seinen Glauben, das war kein Problem. Es gibt ja sogar Juden in Damaskus, ein ganzes Judenviertel. Niemand hat einem anderen deshalb etwas zuleide getan, ganz im Gegenteil. Unser Volk ist jedem anderen Volk gegenüber freundlich gesinnt, da wird kein Unterschied nach der Volkszugehörigkeit gemacht. Hauptsache, du bist einfach ein Mensch. Solche Dinge wie jetzt aber kennen wir nicht, das haben wir noch nie erlebt. Das passiert überhaupt das erste Mal in Syrien.

Ijad, Armee-Kameramann
0344-0408 24s
Um uns herum haben wir eine saubere, unberührte Natur: Flüsse, Wasserfälle, Bäume; diese Schönheit ist dem Menschen selbst inne. Das ist die Liebe zum Leben, die Güte. Die Syrer lieben ein solches Leben, das war es, was mit dem Wort “Freiheit” assoziiert wurde. Doch dann kam die Krise, und leider damit auch Leute, welche auf Geheiß des Westens das Wort “Freiheit” und andere gewohnte, schöne Worte, die für das Volk einen tiefen Sinn besitzen, dazu gebrauchten, die Schönheit zu zerstören, in der wir gelebt haben.

Sajer Darwisch, Rebellenkämpfer
0500-0515 15s
Am Morgen begannen wir damit, die Einwohner zu töten, viele von ihnen. Wir gingen in die Häuser hinein und schossen auch auf die, welche noch schliefen. Dann schafften wir sie in ein Zimmer und filmten das auf Mobiltelefone, um das den Soldaten anzulasten. Bis wir dann hörten, dass die Armee sich in unserer Richtung bewegt. Ein Teil der unsrigen ergriff gleich die Flucht, ein anderer Teil schoss auf die Soldaten.

0539-0540 1-2 s
Ich habe keine Ahnung, was sie wollen.

Bessam Abu Haidar, Soldat der syrischen Armee
0545-0558 13s
Ich gehe jede Wette ein, dass Sie unter denen keinen einzigen gebildeten Menschen finden werden. Was wollen sie denn? Freiheit? Sie haben die ganze Stadt zerstört. Fragen Sie doch auch nur einen von ihnen, was für eine Freiheit! Menschen abstechen und umbringen, ist das für sie Freiheit?

Nadja, Ehefrau von Bessam
0631-0710 39s
Jeden Tag kommt jemand um, jeden Tag schlagen Geschosse ein, und man schießt wer weiß womit. Es gibt viele Verwundete, aber noch mehr Tote. Wir fürchten uns davor, die Kinder auf die Straße gehen zu lassen. Sie wollen gern rausgehen, so wie früher, aber wir lassen sie nicht. Wir haben Angst davor, dass ihnen etwas passiert. Wir haben auch Angst, wenn sie zur Schule gehen; die Rebellen beschießen oft Schulen. Wir haben Angst, auf den Markt zu gehen. Ich gehe trotzdem und denke: was ist, wenn ich entführt werde? Wir wollen eigentlich nur das einfachste: ruhig schlafen können. Jetzt ist die Pistole oder das Maschinengewehr immer dabei. Wir verrammeln alle Türen, gehen jede halbe Stunde durch den Garten aus Angst davor, dass jemand etwas hereingeworfen oder einen Sprengsatz angebracht hat. Ich schlafe nachts mit fürchterlichen Gedanken: was ist, wenn wir überfallen und vor den Augen meines Mannes vergewaltigt und dann ermordet werden?

Jewgenij Lebedew, Regieassistent bei “Rossija-24”
0725-0741 16s
Diese Explosion passierte um 7 Uhr morgens. Die Kinder waren gerade in die Schule unterwegs. Die Eltern fuhren sie. Ein Schulbus ist vollkommen ausgebrannt, Spielzeug lag herum. Es sind sehr viele Kinder umgekommen.

0743-0755 12s
Wie kann man für die Freiheit kämpfen und dabei Kinder umbringen, zumal so barbarisch, blindwütig und grausam?

Francois Hollande
0822-0830 8s
Wir werden uns auch weiterhin dieser humanitären Frage widmen, wir unterstützen die syrische Opposition und haben uns dem Plan einer politischen Umgestaltung Syriens verschrieben.

0831-0850 19s aus Aleppo
Sowohl Moscheen als auch Kirchen werden in Syrien nach wie vor mit ein und demselben Wort bezeichnet: als “Tempel”, in denen alle Einlass haben, unabhängig von ihrer Religion. Der Soldat aus unserer Begleitung ist Moslem, er berührt die Ikonen und betet zusammen mit der christlichen Frau - auf seine Weise. Es ist nicht so wichtig, wo und wie man das tut. Hauptsache, der Frieden kehrt nach Syrien zurück.

0853 Popowa live (Untertitel)
Das muss ja ein heftiges Geballer gewesen sein. Hier haben sie versucht, zwei Stadtteile voneinander zu trennen: einen christlichen und ein islamischen. Die Menschen wollten das nicht, so sprengten sie die Häuser und vertrieben sie...

0905-0909 4s Yara Saleh, Reporterin bei Al-Akhbariya
Wir sahen einen Libyer, und noch einen, oder mehrere aus Saudi-Arabien.

0956-1004 8s Nabil
Sie wissen gar nicht, was der Glaube ist. Sie sagen ja, sie seien Moslems. Sie haben gar keine Ahnung davon, was das bedeutet. Sie wissen gar nichts. Das sind überhaupt keine Moslems.

1029 Popowa live (Untertitel)
1, 2, 3, 4, 5...

1049
So oft ist es vorgekommen, dass wir einen fangen und er dasitzt, ein Maschinengewehr in der Hand. Er schüttelt den Kopf, ist vollkommen unzurechnungsfähig und stammelt: “Ich habe nichts gemacht.” Wir entnehmen ihm Blut für eine Analyse, und da werden Drogen festgestellt. Oft finden wir in den Taschen Pulver oder Tabletten. Ein anderes Mal kam einer heraus und ging mitten auf der Straße lang und schoss auf uns. Wir gehen in Deckung und schießen zurück - und treffen. Er geht aber trotzdem weiter, ist völlig schmerzunempfindlich. Sowas passiert nach der Einnahme einer Droge, die man “Raserin” [üblicherweise sind das, nach einem neuerlichen Bericht von ANNA-News, Captagon-Tabletten - apxwn] nennt. Wer solche Drogen einnimmt, versteht gar nicht, was er tut. Er erkennt niemanden mehr, er kann seinen Bruder, seinen Vater umbringen, er verliert vollkommen die Orientierung.

1132-1142 10s Ijad
Sie sagen, dass sie das alles wegen des Glaubens tun. Sie sagen, einen Ungläubigen umzubringen und ihm die Kehle aufzuschlitzen sei für sie eine große Ehre. Sie meinen, dass sie so Gott näherkommen. Es gibt tatsächlich auch solche.

1147
Sie bringen friedliche Menschen um, rufen den “Allah akbar”-Takbīr, um ihr Gewissen zu beruhigen - falls sie ein solches haben - und um anderen zu zeigen, dass sie sich auf dem rechten Weg befinden.

1201 Yara
Die, welche da kämpfen, denken folgendermaßen: Wenn ich sterbe, komme ich ins Paradies und ich werde viele Jungfrauen haben. Ja, ich spreche nicht von den Anführern, sondern von den einfachen Leuten. Sie sind völlig ahnungslos. Einer von ihnen sagte mir: Du bist doch ein Journalist, und Du weißt mehr als ich. Sage mir doch, was passiert dann, wenn all das vorüber ist? Ich sagte ihm: Nun, schau mal. Lass uns realistisch sein. Die Amerikaner haben uns niemals geliebt. Obama liebt uns nicht. Israel liebt uns nicht. Sie pfeifen auf das syrische Volk. Schau doch mal, was mit Afghanistan und dem Irak passiert ist. Er sagt: Ich weiß. Und so sagte ich wieder: Nun gut. Warum nimmst Du dann Geld von ihnen? Du glaubst doch nicht, dass sie Dir Geld geben, damit Du für Deine Freiheit kämpfen kannst? Er meinte, nein, wir nehmen kein Geld von ihnen. - Nun gut, doch wer gibt Dir denn das Geld? - Der Scheich. - Und woher nimmt er das Geld? - Ich weiß es nicht. - Aha, das hast Du Dich nicht gefragt.

1247-1322 35s
Ein anderes Mal sagte ich ihm dann: Ihr könnt euch sicher sein, jedes Mal dann, wenn es ein Abkommen gibt. - Was bedeutet dieses Wort: “Abkommen”? - Im Ernst, ich kann das beschwören! Deswegen sagte ich ihm dann auch: Nichts, Entschuldigung, vergessen Sie es einfach. Was kann man einem solchen Menschen erklären? Er weiß einfach gar nichts. Und nicht er allein ist so. Ein anderer sagte mir: ich habe in allen Gefängnissen in Syrien gesessen, wegen Drogen, Diebstahl und solchen Dingen. - Gut, und was tust Du nun? - Ich denke, Gott hat mir vergeben. - Du hast ihn doch aber nicht gebeten, Dir zu vergeben? Du denkst, er hat Dir bereits alles vergeben? Weshalb, wer hat Dir denn sowas erzählt? - Der Scheich. Er sagte, Gott habe mir vergeben, doch jetzt müsse ich mit ihnen kämpfen.

1331-1344 13s Bandit
Ich habe drei Freunde umgebracht, ihnen allen die Kehlen durchgeschnitten. Man sagte mir, sie seien Landesverräter, sie würden die Regierung unterstützen. Danach haben wir Sprengstoff in den Häusern angebracht, wo wir zuvor Leute umgebracht hatten, und ihn gezündet. Es sollte so aussehen, als habe die Armee hier Artillerieangriffe durchgeführt.

1348-1445 58s N...
Das sind Banditen. Es sind nicht einmal Menschen. Sie haben eine vollkommen andere Sicht auf das Leben, auf den Glauben. Es sind keine normalen Menschen. Keiner weiß, was sie denken oder was sie eigentlich wollen. Sie wollen Freiheit? Was für eine Freiheit? Menschen umbringen, was für eine Freiheit ist das? Menschen wie Hühner oder wie Vieh zu schlachten? Wie kann man so etwas tun, was soll das für ein Glaube sein, der es gestattet, Menschen abzustechen und dann vor Freude zu tanzen? Ich bin jetzt 50 Jahre alt, war an vielen Orten und habe vieles gesehen, aber das, was jetzt hier über uns hereingebrochen ist, habe ich noch nie gesehen, nicht einmal davon gehört. Man weiß nicht, woher diese Leute auf einmal kommen.

1509-1513 4s Obama
Die syrische Regierung muss damit aufhören, auf Demonstranten zu schießen und muss friedliche Demonstrationen erlauben.

1529-1613 44s Michail Witkin
Wir haben eine Menge an Leichen gefilmt, sowohl auf den Straßen, als auch in den Krankenhäusern, und in einem Krankenhaus sagte uns ein Pathologe, dass alle die, welche bei den Rebellenkämpfern in Gefangenschaft gewesen sind, ohne Ausnahme mißhandelt worden sind. Kinder, Erwachsene, selbst die Alten. Die Gewalttätigkeit ist vollkommen maßlos. Die Menschen sind sogar dazu übergegangen, sich Handgranaten zu beschaffen - das ist kein Einzelfall, sondern wir haben das von vielen gehört - dass sie sich Handgranaten beschaffen, um für den Fall, dass sie von irgendeiner “Freien Armee” aufgehalten werden, sich selbst in die Luft zu sprengen. Keiner möchte in die Hände dieses Abschaums fallen, sie finden es besser, ihrem Leben ein Ende zu setzen.

1620-1704 44s Yara
Sie bekommen Instruktionen aus dem Ausland. Ich kann erklären, wieso ich das weiß. Als sie unser Filmteam in der Stadt Al-Tal entführt haben, haben sie das dem “Syrischen Nationalrat” berichtet. Er nennt sich nur “syrisch”, war aber erst in der Türkei, dann in Katar. Sie bekamen Anweisung, zwei Videobotschaften aufzunehmen. Eine, wo wir zu dritt zu sehen sind, und eine andere mit ihrem Befehlshaber. Alle Bedingungen der Freilassung, jeder einzelne Satz, den wir gezwungen waren zu sagen, haben sie vorher per Satellitenfunk ins Ausland geschickt, und bekamen eine ausgebesserte Textfassung zurück. Ich habe den Text vom Telefon auf Papier geschrieben, denn von denen konnte kaum jemand schreiben. Nun, es war eine Nachricht von einer ausländischen Nummer, mehr als 10 Ziffern, und ein paar Punkte. Katar und Saudi-Arabien waren in Verhandlungen mit der syrischen Regierung involviert. Nun gut, wenn ihr schon Anweisungen von Saudi-Arabien und Katar bekommt, wer seid ihr dann - etwa Syrer? Das denke ich nicht.

1707-1722 15s N.
Ja, es gibt auch Syrer, die, sagen wir, schwach sind. Mit Geld kann man solche ködern. Aber der Großteil von diesen Leuten ist nicht aus Syrien.

1738-1746 8s Yara
Ja, das ist die erste Frage: woher kommst du, welchen Glauben hast du. Unser Kameramann beispielsweise ist ein Christ, doch sie haben ihn gezwungen, wie ein Moslem zu beten.

1749 Yara
Sie gaben mir ein Kopftuch und sagten mir: bedecke Dich. Ich fragte sie: wenn ihr für die Freiheit kämpft, warum respektiert ihr dann nicht meine Freiheit und gestattet es mir nicht, mich zu kleiden, wie ich das will? Sie sagten: nein, Du kannst nicht ohne Hidschab sein. Dafür, was wir sagten, wollten sie uns auch umbringen.

1809-1821 12s N.
Das machen sie nicht für unser Volk. Im Gegenteil: sie morden uns und unsere Kinder, sie löschen unsere Leben aus. Das ist eine solche Politik.

1824-1829 5s Davutoglu
Wir sind alle an einem Fortkommen der Situation in Syrien interessiert. Wir mögen auch teilweise unterschiedlicher Ansicht sein, doch unsere Ziele ähneln sich.

1836 Michail Witkin
Einmal haben wir nachts gefilmt, wir hatten sogar eine Wärmesichtkamera dabei, und wir sind damit an die vorderste Linie vorgerückt.

1847-1858 11s Popowa live (Untertitel)
Nun, die Säuberungsoperation geht in die aktive Phase über, ihr hört selbst, welch eine Schießerei im Gange ist. Die Armeeangehörigen bewegen sich von Haus zu Haus, prüfen vorab sorgfältig jeden ihrer Schritte, um keinen Fehler zu machen. Mach aus!

1900
Wir bewegen uns fast nur tastend durch die zerstörten Häuser voran und nehmen in einem Hochhaus eine strategische Position ein, von der aus man das ganze Stadtgebiet im Blick hat.

1908 Michail Witkin
Nach einiger Zeit flog eine Kugel nur eine Handbreit von meinem Kopf entfernt vorbei.

1914 Witkin live (Untertitel)
Das ist Scharfschützenfeuer. Das ist das schlimmste. Ich habe nur Glück gehabt, dass sie jetzt nicht getroffen haben. Nur 5 Zentimeter tiefer, dann würden wir uns jetzt nicht mehr unterhalten.

1924 Popowa
Wir kommen erst einmal nicht weiter voran. Wir bleiben in dem Hochhaus und warten, bis die Schießerei abflaut. In der Morgendämmerung geht es weiter; das bezeichnete Ziel, ein Haus voller Rebellenkämpfer, ist einen Kilometer von uns entfernt.

1945-2006 21s Witkin
Das erste Gefühl ist so eine Kälte, die einem den Rücken hinabkriecht. Ich sprang von dieser Leiter, kam herunter, und hinter mir lief der Oberst, der uns dort begleitete. Ich denke, er war noch viel mehr erschrocken als ich und redete auf mich ein, ob ich getroffen wurde, ob alles in Ordnung sei und so weiter. Wir haben dann aber zwei Tage später erfahren, dass dieser Oberst von einem Scharfschützen getötet worden ist.

2015 Yara
Zuerst haben sie uns die Hände gefesselt, wir wurden jeden Tag mit Riemen geschlagen, wir wurden getreten. Sie haben auch versucht, mich zu vergewaltigen, ja, das gab es auch. Danach brachten sie den Kamerassistenten um, weil sie in seinem Telefon Bilder mit der syrischen Flagge und Bilder von Soldaten gefunden haben. Der Scheich beschloss, dass wir alle den Tod verdienen, doch der Kameraassistent kam zuerst dran. Sie führten ihn zusammen mit unserem Fahrer Hussam aus dem Zimmer heraus, Hussam bekam eine Augenbinde verpaßt. Er hörte Schüsse, danach nahm man ihm die Augenbinde ab und sie sagten ihm: schau Dir das an, Du wirst genauso bestraft, wenn Du lügst. Du musst uns Informationen liefern, die wir noch nicht haben. Sie haben 60 Kugeln auf ihn abgeschossen, zwei Magazine mit je 30 Schuss.

2053-2122 29s Ijad
Egal, wo diese Rebellenkämpfer auftauchen, das erste, was sie tun, nachdem sie in ein Gebiet eingedrungen sind, sind öffentliche Hinrichtungen von Zivilisten. Dabei ist es egal, wer diese Menschen sind und welcher Religion sie angehören. Sie werden umgebracht, das wird auf Mobiltelefone gefilmt und ins Internet geladen, damit es alle sehen. So war es im Stadtteil Sirian in Aleppo: zwei Passanten wurden ergriffen und auf der Straße vor aller Leute Augen abgestochen. Die übrigen Einwohner werden so von einem Angstgefühl ergriffen. Sie sehen, wie jemandem die Kehle durchgeschnitten wird und stellen sich vor, dass sie an der Stelle dieser Unglücklichen sein könnten. Also fliehen die Zivilisten aus diesen Gebieten, verlassen ihre Häuser, wenigstens die, die einen Ort haben, an den sie gehen können.

2134-2213 39s Yara
Sie sagen ja, dass die syrische Presse viel lügt, nicht wahr? Nun gut, mal angenommen, wir lügen. Du weißt, dass wir lügen, und die ganze Welt weiß das. Dann lass uns doch lügen, wozu entführt und ermordet man Journalisten, weshalb werden Büros unseres Senders überfallen und Bomben im Gebäude des syrischen Fernsehens gezündet? Wozu? Wenn wir wirklich lügen und uns sowieso niemand glaubt, wie man das bei Al-Dschasira, Al-Arabiya und Ariyen-TV sagt, wieso fürchtet ihr uns dann so? Lasst uns doch weiter lügen, wenn dem so ist. Doch das ist einfach nicht wahr. Die Rebellenbanden verüben viele Grausamkeiten, wir zeigen das und berichten davon. Deshalb hassen sie uns, deshalb wollen sie uns ermorden und vernichten. Alle Journalisten, die auf Regierungsseite arbeiten, sind Zielscheiben.

2237-2244 7s Yara
Wenn du mit der Armee gehst, bist du das erste und wichtigste Ziel der Rebellen. Wer ein häßliches Gesicht hat, mag es nicht, die Wahrheit über sich selbst zu hören.

2246 Al Thani
Angesichts dessen denke ich, dass es für die arabischen Länder selbst besser wäre, aus ihrer nationalen, humanitären, politischen und militärischen Pflicht heraus einzugreifen und alles zu tun, was notwendig ist...

2258 Witkin
An dem Tag, als wir aufbrachen, starben allein unter denen, die wir kannten, 35 Menschen. Nach inoffiziellen Angaben sind inzwischen mehr als 9.000 Militärangehörige ums Leben gekommen. Ich rede ja schon gar nicht von der Zivilbevölkerung, wieviele da von den Händen dieser sogenannten “Freien Armee” umgekommen sind, von diesen Freiheitskämpfern...

2315-2257 42s Großmufti
Die Provokateure wollen nur eins: Syrien nach konfessionellen Merkmalen zerteilen, um auf dieser Grundlage eine Reihe einzelner Staaten zu schaffen. In den Reihen der Opposition gibt es keine Einigkeit. Die einen wollen einen säkularen Staat aufbauen, die anderen einen in sich geschlossenen Religionsstaat. Wieder andere nehmen einfach nur Waffen in die Hand und zerstören das Land. Sie sind die ganze Zeit dabei, untereinander zu streiten, ebenso wie mit dem Volk und der Regierung. Diese Opposition handelt auf Geheiß aus dem Ausland, sie wird von außerhalb gesteuert. Diese Opposition hat keinerlei politische Ziele, ihre Aufgabe ist es, Chaos und Wirren zu verbreiten. Ich habe alle an den Verhandlungstisch eingeladen, selbst die, welche im Ausland leben. Sie haben die Einladung abgelehnt. Ihr Ziel ist es einfach nur, die Macht zu ergreifen. Sie reden immer nur davon, dass der Präsident weg muss, erst danach gibt es Verhandlungen. Die Frage ist nur: mit wem wollen sie dann noch reden?

2410-2428 18s N.
Wo ich mit euch unterwegs war, das eine und das andere Mal - diese Stadtviertel sind schon tot. In den Gebieten, wo sich die Banditen festsetzen, kommt das Leben zum Erliegen. Sie machen dort alles kaputt, vertreiben die Menschen aus ihren Häusern.

2432-2456 14s N.
Sie stehlen alles, was sie dort in den Wohnungen finden, zerstören alles, und nehmen solche Videos auf, und sagen, dass sei die Armee gewesen - sie wollen der ganzen Welt weismachen, dass die syrische Armee so vorgeht. Alles, was es übles zu sehen gibt - das sei die syrische Armee gewesen, alles Gute komme aber von ihnen, die die Freiheit wollen. Sie versuchen auch zu verbreiten, das Volk stehe auf ihrer Seite - auch das ist unwahr.

2513-2533 20s Ijad
Könnt ihr euch erinnern, wie es der mächtigen antiken Stadt Troja erging? Genauso ist es auch bei uns. Das Wort “Freiheit” ist auch ein trojanisches Pferd. Es hat die Freiheit und das unbeschwerte Leben zerstört, genau, wie Troja zerstört wurde. Doch die Natur gibt uns Kraft, ich weiß, dass das Gute siegen wird und bin mir sicher: egal, was passiert, wir werden einander lieben und in Frieden miteinander leben, denn wir gehören zu diesem heiligen Land, das Syrien heißt. Um dieses Landes willen leben wir.

2600-2646 46s Hanni Asishaid, Mutter eines getöteten Soldaten
Ich habe meinen Sohn mehr als 2 Monate nicht gesehen. Er rief an und sagte, dass er am Morgen heimkommen will, doch das Mutterherz fühlte Unglück heraufziehen. Am Morgen kam er nicht; ich rief an, doch es kam keine Antwort. Dann erfuhr ich, was vorgefallen ist. Seine Einheit verteidigte die Hauptmoschee Aleppos, sie wurden von Rebellenbanden umringt, Scharfschützen eröffneten das Feuer. Dann haben sie versucht, das Tor der Moschee zu sprengen, letztlich haben sie die Wände durchbrochen und kamen von der anderen Seite herein. Wir sind ja eigentlich Christen, doch mein Junge hat gesagt, dass er die Moschee verteidigen wird, weil dieser Tempel ein heiliger Ort ist. Er hat im Inneren sogar barfuß gekämpft, aus Achtung vor den Traditionen, ganz ungeachtet der Glasscherben und Gipssplitter. Er wurde von zwei Kugeln gestreift, auch sein Freund wurde am Bein verwundet. Er trug ihn auf den Händen heraus in den Krankenwagen; er selbst wollte sich nicht behandeln lassen, er meinte, dass er seine Kameraden nicht verläßt. Als er zurücklief, wurde er von weiteren Kugeln getroffen. Er wurde auf den Stufen der Moschee erschossen.

2647-2706 19s Estel Asishaid, Schwester des getöteten Soldaten
Ich habe ihm gesagt, dass ich für ihn bete. Aber er hat mich verbessert und gesagt: bete zuerst für Syrien, und dann für mich. Syrien war für ihn immer das Wichtigste, wichtiger als alles andere. Ich habe ihn sehr lange nicht gesehen, rief ihn immer an und sagte: komm bitte nach Hause, ich vermisse Dich sehr und will Dich gern sehen. Doch nun habe ich ihn nicht wiedersehen können.

2724 Lebedew
An einem der Tage gingen wir mit einer Einheit Soldaten mit, nicht über die Straßen, sondern durch die Höfe, Häuser, durch Küchen und so weiter hindurch...

2732-2757 25s Popowa
...und in einem der Häuser trafen wir so einen Greis, der war ziemlich gebrechlich. Er lebte dort nur dank der Armee, hatte nur zu den Soldaten Kontakt. Er hatte keine Verwandten mehr, und die Soldaten brachten ihm immer Lebensmittel und Wasser, sie kümmerten sich um ihn. Und bei jedem Soldaten, den er mit seinem Auge sah - er war auf einem Auge blind - sprang er auf, und er sagte wirklich jedem der Soldaten, auch wenn es zehn oder mehr waren: herzlich willkommen, herzlich willkommen.

2804-2820 16s Witkin
Diesen Mann hat man dann tot aufgefunden. Diese Tiere haben 17 Kugeln auf ihn abgeschossen. Auf der Wand schrieben sie: Du wirst für Deine “lange Zunge” hingerichtet. Auf diese Weise haben sie also alle Christen herausgefordert, die in Syrien leben.

2829-2833 4s N.
Vielleicht haben sie ihn danach im Fernsehen gesehen? Deshalb werden sie ihn ermordet haben.

2842 Nadja, Ehefrau von Bessam
Ich habe nur eine Frage an die Banden: Wenn es einen Gott gibt, der die Welt und alle Menschen geschaffen hat, und wenn nach den heiligen Schriften alle Menschen gleich sind und sich in ihrer Würde nicht voneinander unterscheiden, warum bringt ihr uns um? Warum sagt ihr, dass sei für die Freiheit, für Allah, und tötet? Was habe zum Beispiel ich solches getan, dass ihr mir jeden Tag nach dem Leben trachtet? Warum bringt ihr friedliche Menschen um? Warum töten ihr die Soldaten, wofür? Bei ihnen ist ein Mord wie ein Witz, es ist für sie schlimmer, einem Widder den Kopf abzuschneiden, als einem normalen Menschen. Sie haben keine Gefühle, kein Herz, keine Würde. Sie denken nur an sich, sie meinen, man muss noch mehr Menschen umbringen, damit die anderen es mit der Angst zu tun bekommen, damit wir sie fürchten. Wir sind des Todes überdrüssig, wir sind des Mordens müde, wir haben all das satt.

2928-2350 22s Bandit
Wir haben an der Strasse nach Hama unseren Posten aufgebaut und dort ein Auto gestoppt. Eine alawitische Familie sass darin. Den Vater haben wir festgenommen, seine sechsjährige Tochter wurde vergewaltigt. Dann rief mich der Koordinator an, benannte einen Treffpunkt, gab mir dort ein Maschinengewehr, dass aus der Türkei kam, und schickte mich, ein Gebäude der militärischen Spionageabwehr in die Luft zu sprengen. Damals habe ich dort 7 Soldaten erschossen. Ich nahm eine Axt und ging daran, einen davon zu zerhacken. Ich wollte nachsehen, ob er Blut in sich hat.

2952-3059 67s Witkin
Wie kann man diese Menschen überhaupt als “friedliche Opposition” bezeichnen? Oder als Freiheitskämpfer? Das ist vollkommener Blödsinn. Ich meine, jeder Mensch, der so denkt, kann einfach mal nach Syrien reisen und sich selbst davon überzeugen, dass dort, wo die Armee die Kontrolle hat, es ruhig ist. Die Armee schützt ihr Volk. Ich habe den Eindruck, dass auf der anderen Seite nur vollkommen verblödete Spinner kämpfen, Leute, denen nichts heilig ist, gar nichts. Solche verraten nicht nur ihre Heimat, sondern ohne weiteres auch ihre Familien, Mutter und Vater. Schaut euch doch die Bilder an, würdet ihr wollen, dass solche Demokraten euer Land regieren? Dass sie auf euren Straßen herumlaufen, mit euren Kindern spielen? Schaut einmal in die Gesichter dieser Leute, oder sind das eher Unmenschen? Wem ähneln sie wohl eher nach alledem, was sie verbrechen? Ich weiß ja nicht, ob ihr gern solche Befreier in eurer Stadt hättet, die auf diese Weise für eure Sicherheit, eure Freiheit und die Demokratie kämpfen.

3108-3206 58s Bessam Abu Haidar
Ich bekam einen Anruf von einer mir unbekannten Nummer, man fragte, ob ich der Bruder von Ramez sei. Ich sollte “meinen Hund” abholen, sie hätten ihn im Stadtgebiet Wadi Saeh getötet. Als ich meinen Vater und meinen Bruder in einem solchen Zustand sah, konnte ich es nicht fassen. Es gab dort Dutzende Tote, und die Rebellen schossen auf die Leichen, damit wir sie nicht bergen konnten. Einer der Anwohner, den die Armee in Sicherheit gebracht hat, erzählte dann: die Rebellen haben die Anwohner an einer Wand aufgestellt und machten sich daran, sie zu erschießen. Doch da kam ein Auto, das waren mein Bruder und mein Vater. Sie wollten den Banditen Einhalt gebieten. Sie wurden verwundet, man zerrte sie aus dem Auto und warf sie auf den Asphalt. Sie fuhren mit dem Rad des Autos mehrmals über ihre Köpfe, da lebten sie noch. Ich kann es immer noch nicht fassen. Sie lebten ja noch. Zumal sie erst vor den Augen des Vaters den Sohn umbrachten, und dann den Vater töteten. Eine von denen, die dort auch umgebracht wurde, war eine schwangere Frau. Sie haben ihren Bauch aufgeschnitten, das ungeborene Kind herausgeholt und es durch die Gegend getreten. Ihr könnt euch das gar nicht vorstellen. Das kann man sich gar nicht vorstellen. Das ist unfassbar. Sie vergewaltigen Frauen, morden kleine Kinder - weshalb? Solches allein in Gedanken zu haben ist für mich vollkommen unvorstellbar.

3213-3242 29s Nadja
Ihr habt ja Bessam kennengelernt. Er ist ein sehr gutmütiger Mann, ungeachtet selbst des ganzen Leids, das in dieser Zeit passiert ist. Er ist kinderlieb, liebt unsere vier Mädchen. Er spielt gern mit ihnen, beschäftigt sich viel mit ihnen, aber derzeit ist er selten zu Hause, die Kinder vermissen ihn sehr. Er geht sehr früh aus dem Haus und kommt erst spät in der Nacht zurück. Wir sind sehr besorgt. Die Rebellen trachten ihm ja nach dem Leben, sie haben sogar ein Foto von ihm auf ihrer Internetseite veröffentlicht. Sie zeigen es auf ihren Kanälen und haben ein Kopfgeld auf ihn ausgesetzt. Ich rufe ihn häufig an, aber er geht nicht ans Telefon - er hat zu tun.

3251-3321 30s
Dann ruft er zurück und beruhigt mich. Er sagt, dass er nicht zum Mittagessen kommt, er bleibt bei seinen Kameraden. Er fürchtet, dass ihnen etwas zustößt und er nicht dabei ist und helfen kann. Er liebt sein Vaterland und ist auch bereit, sein Leben für sein Vaterland zu opfern. Syrien ist ihm wichtiger als seine Frau, die Eltern oder die Kinder. Ich verstehe und unterstütze ihn. Ich bin bereit, dass alles auf mich zu nehmen [32:10f]. Wir sind inzwischen zu allem bereit: bereit, die Väter, Söhne und Männer zu verlieren, wir sind auch bereit, selbst in die Armee einzutreten, um den Frieden wiederzuerlangen, in welchem alle vorher in Syrien gelebt haben.

3324-3337 14s
Wenn ich in den Kampf ziehe, blicke ich dem Tod ins Auge, doch ich fürchte ihn nicht, denn es ist für mich eine große Ehre, mich für mein Vaterland zu opfern. So, wie es mein Bruder und mein Vater getan haben. Das wichtigste ist es, den Frieden wiederherzustellen, in dem wir früher gelebt haben.

3339-3402 23s Ijad
Mein Traum? Ich möchte Syrien so erleben, wie es früher war, als wir in Ruhe und Frieden lebten. Ich möchte, dass Syrien in diesem Weltkrieg besteht. Mitunter muss man, wenn man einen Berg erklimmen will, einen schwierigen und beschwerlichen Weg gehen. Wir müssen vieles opfern: Verwandte und Freunde, um Syrien zu retten, um schließlich auf dem Olymp zu stehen, von dem aus man die anderen Gipfel schon nicht mehr sieht. Das ist ein großer Traum, wieder in Frieden leben zu können wie damals, und dass es immer so bleibe.

3410-3512 62s Yara
Wir sind in sechs Tagen an 6 Orten gewesen und haben nirgends Einwohner gesehen. Sie haben mir selbst gesagt, dass es in der Stadt keine einzige Frau mehr und niemanden mehr gibt, nur noch diese Banditen. Wir wurden eines Nachts in eine andere Stadt gebracht. Da plötzlich zündete eine Blendgranate, die Armee nahm die Banditen unter Beschuss. Ich fiel zu Boden und wartete, bis die Schießerei zu Ende war. Die Soldaten riefen dann: Yara, wir wissen, dass Du hier bist, hoffentlich bist Du in Ordnung. Ich konnte nur sagen: Mein Gott, ich dachte, ich sehe meine Mutter niemals wieder, das war wie ein freudiger Ausruf: endlich bin ich frei! Ich stand auf und lief auf sie zu. Als ich unsere Soldaten sah und unsere Fahne: wissen sie, ein so schönes Rot, Weiß und Schwarz und die zwei grünen Sterne, dachte ich nur: o Gott, ich bin endlich frei. Ich konnte nicht mehr gehen. Ein Offizier trug mich dann, ich weinte und er sagte: sorge Dich nicht, Abdallah ist schon bei uns. Ich sprang auf, und eine halbe Minute später umarmete ich schon meinen Kameramann und sagte, dass Hussam, der Fahrer, noch bei der “Freien Syrischen Armee” ist. Es tut mir weh, das auszusprechen, denn sie sind weder frei, noch syrisch, noch eine Armee. Der Offizier sagte: egal, was es mich kostet, ich hole ihn da raus. Und das hat er wirklich gemacht.

3545-3618 33s N.
Die Armee ist überhaupt wie unsere Familie. Diese Armee und das Volk leben wie eine Familie zusammen. Wie Brüder, wie Väter und Söhne. Wir sind der Meinung, dass unsere Armee genauso unser Volk ist. Sie arbeiten eben in der Armee. Andere arbeiten woanders, aber wir sind eine Familie. So haben wir gelebt, so leben wir und - Gott gebe es - so werden wir auch weiter leben!

3626 Popowa live (Untertitel)
Bemerkenswert: wenn ein Hubschrauber ankommt, laufen die Menschen mit Fahnen auf die Dächer und begrüßen ihn...

3647-3742 55s Ijad
Wenn man sich die Soldaten im Kampf ansieht, denkt man: sie sind so gefühllos und hart, sie sind konzentriert und ernst und in jedem Augenblick bereit, sich zu opfern, um die Rebellenbanden nicht durchkommen zu lassen. Jeder ist bereit, sich vor seinen Kameraden zu stellen. Sie sind entschlossen und mutig, obwohl viele von ihnen noch sehr jung sind. Sogar viele Verwundete bitten, dass sie nicht nach Hause geschickt werden, sie wollen zurück in ihre Einheit. Wenn dann der Einsatz vorüber ist, erkennt man sie nicht wieder: die gleichen mutigen Soldaten, noch warm vom Kampf, aber sie spaßen herum wie kleine Kinder, scherzen untereinander, sitzen herum und trinken Tee oder Mate. Das ist unsere Lieblingstradition. Der Jüngste wird zum Wasserholen geschickt, ein anderer muss Zucker holen, noch einer den Teekessel. Sie lachen und scherzen, als sei nichts gewesen. Ich sehe sie und glaube kaum, dass es die gleichen Soldaten sind, die gerade noch so mutig gekämpft haben. Und jeden Abend verabschieden sie sich voneinander, als sei es für immer. Wer weiß, vielleicht sieht man sich am Morgen nicht mehr wieder? Sie leben nur für den einen Tag, zwischen Leben und Tod, keiner weiß, wann er stirbt. Deshalb verabschieden sie sich auch immer, als sei es das letzte Mal.

3838-3909 31s Bessam
Amir war mein Freund, vom ersten Tag des Krieges waren wir zusammen. Wir haben zusammen gekämpft, zusammen gearbeitet und die Zeit verbracht. Er hat drei Kinder. Er war ein sehr mutiger und starker Kämpfer, hatte keine Furcht, an jedem beliebigen Einsatz teilzunehmen, dabei war er sehr gutmütig und ruhig, scherzte häufig, half den Flüchtlingen. Wir wurden zu einem Einsatz nach Aleppo geschickt. Unterwegs ahnte er, dass er umkommt, und sagte: Ich bitte Dich, kümmere Dich um meine Frau und die Kinder. Ich spüre den Geruch des Todes. Ich sagte ihm: hör auf mit dem Blödsinn, doch er fing an, so traurige Lieder zu singen und sagte: ich opfere mich selbst und werde nicht nach Homs zurückkommen. Zwei Tage später hat man ihn gekidnappt.

3911-3956 45s Popowa
Zum letzten Mal sahen wir uns in Damaskus. Er rief an und sagte, er sei in der Gegend und wolle uns treffen. Wir trafen uns und ich habe ihn kaum erkannt: er war immer so gutmütig und lustig, scherzte immer. Und hier war er so düster, wie schwere Wolken, es war, als gehe negative Energie von ihm aus. Ich habe damals noch gedacht: wer weiß, vielleicht ahnt er ja etwas Schlimmes. Diesen Gedanken habe ich aber schnell verdrängt. Zwei Tage später berichtete man uns, dass er entführt worden sei und man Geld für ihn verlange. Wir haben überlegt, was wir tun und wie wir helfen können, wir wollten wenigstens irgendwas für ihn tun. Damals begleitete uns ein Offizier, der sagte: wenn sie eines Militärangehörigen habhaft werden, kommt dieser niemals mehr lebend da heraus.

4006-4032 26s Zeynab, Ehefrau von Amir
Ich versuchte ihn anzurufen, er ging nicht ans Telefon. Da rief ich Bessam an, der sagte, Amir sei etwas einkaufen gegangen. Ich wählte wieder seine Nummer, da antwortete eine fremde Stimme, die sagte: ich bin von der “Freien Armee”, Dein Mann ist bei uns, wir haben ihn entführt. Entweder gibst Du uns eine Million Lira, oder wir bringen ihn um. Dann haben sie das Telefon abgeschaltet. Ich rief meinen Onkel an und sagte ihm, dass sie Amir gefangen hatten, und später gab es weitere Anrufe. Sie machten sich über mich lustig.

4113-4153 40s Bessam
Wir haben versucht, uns mit ihnen über das Lösegeld zu einigen, haben Geld besorgt, sie gingen aber nicht mehr ans Telefon. Wir haben erst mehrmals telefoniert, einige Male über das Geld geredet. Dann haben sie das Telefon ausgeschaltet. Am nächsten Tag riefen sie an und sagten, dass sie Amir in einem Vorort von Aleppo gelassen haben, wir können kommen und ihn holen. Wir fanden ihn mit abgetrenntem Kopf. Weitere drei Soldaten lagen neben ihm. Sie haben ihn gefoltert und mißhandelt, danach mordeten sie ihn - nicht mit einem Messer, sondern sie haben ihn lebendig auf einen Schreinertisch gelegt und ihm den Kopf abgesägt. Für mich ist das ein schwerer Verlust, aber weshalb musste man ihn so bestialisch ermorden? Sie sind wie Tiere, oder besser: nicht einmal Tiere handeln so, so vollkommen bestialisch. Sie machen das immer so, bevor sie jemanden umbringen, schneiden sie ihm die Gliedmaßen ab, langsam und vorsichtig, und schließlich den Kopf. Ich finde keine Worte, wie man solches überhaupt machen kann.

4210-4231 21s Zeynab
Er war ein sehr guter Mann. Er liebte Gott. Er war so gut, dass er den Menschen alles gab, auch, wenn er es selbst brauchte. Er liebte die Menschen, er half allen, er liebte mich, unsere drei Kinder und unsere Eltern. Gott möge ihnen den Mord an meinem Mann nicht vergeben. Sollen ihnen ihre Lieben genommen werden, damit sie spüren, was ich durchgemacht habe.

4239-4246 7s Zeynab
Die “Freie Armee” hat unser stilles und schönes Leben zerstört. Gott wird ihnen nicht helfen und sie strafen.

4253-4258 5s Clinton
Der Übergang zur Demokratie in Syrien hat bereits begonnen, und Assad muss vom Weg dieses Prozesses weg."
 

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