Sonntag, 4. August 2013

"Zeuge berichtet von Folter durch Assad-Gegner"

"Fotograf Jonathan Alpeyrie war drei Monate in der Gewalt von syrischen Islamisten. Er erlebte, wie seine Entführer Milizionäre des Assad-Regimes folterten: "Sie haben die Hunde auf sie losgelassen."


Fast drei Monate war er als Geisel in der Gewalt von islamistischen Aufständischen in Syrien, erlebte Folter sowie Bombenangriffe und wurde nach eigenen Angaben schließlich von einem regierungstreuen syrischen Geschäftsmann für 450.000 Dollar freigekauft: Nach seiner Freilassung hat ein US-französischer Fotograf in einem Interview erstmals über seine Geiselhaft gesprochen.
Im französischen Magazin "Paris Match" berichtet Jonathan Alpeyrie, wie er Ende April bei einer Fahrt in die nördlich der Hauptstadt Damaskus gelegene Ortschaft Rankos an einem Checkpoint entführt wurde.
Alpeyrie, der für die Fotoagentur Polaris Images nach Syrien gereist war, hatte ein Treffen mit einer Aufständischen-Gruppe in Rankos vereinbart. "Es war eine Falle", sagte der 34-Jährige in "Paris Match". Sein örtlicher Führer und Übersetzer habe ihn "verraten und verkauft".

Folter von Assad-Soldaten durch Islamisten miterlebt

An dem Checkpoint hätten maskierte Männer ihn gezwungen, das Auto zu verlassen. "Sie haben mich auf die Knie gehen lassen und so getan, als würden sie mich mit mehreren Schüssen hinrichten. Dann haben sie mich geknebelt und gefesselt."
Während sein Übersetzer bald freikam, wurde Alpeyrie getreten und in einem Haus drei Wochen lang an einem Bett festgebunden. Seine Entführer, "bärtige Männer", hätten ihm vorgeworfen, ein "amerikanischer Spion" zu sein und einmal so getan, als würden sie ihn erwürgen. Später sei er in eine verlassene Villa nahe der Grenze zum Libanon gebracht worden, dort sei er dann besser behandelt worden und habe sich auch mit einem Aufpasser angefreundet.

In dem beschreibt Alpeyrie, wie er den Beschuss der Region durch Kampfflugzeuge der Truppen von Syriens Präsident Baschar al-Assad miterlebte: "Die Bomben schlugen 50 Meter von uns entfernt ein" – und wie er Zeuge von Folter an vier christlichen, Assad-treuen Milizionären durch die Islamisten wurde: "Sie haben die Hunde auf sie losgelassen und sie mit Gürteln geschlagen."

Einem Entführer brachte er Schwimmen bei

Es habe aber auch "lustige" Momente gegeben, etwa, als er dem Anführer der Entführer das Schwimmen beibringen sollte. Dieser habe im Schwimmbecken Panik bekommen: "Ich habe ihn gehalten wie ein Baby."
Die Umstände seiner Freilassung beschreibt Alpeyrie als undurchsichtig: Demnach wurde er Mitte Juli in das Haus eines "Scheichs" gebracht, der ihm zuvor seine Freilassung angekündigt hatte. Dort hätten ihn Männer, die sich als Vertreter der Regierung in Damaskus ausgegeben hätten, abgeholt und in die Hauptstadt gebracht.
In Damaskus habe er den "Geschäftsmann" getroffen, der 450.000 Dollar für seine Freilassung gezahlt habe. Dieser stehe "auf der schwarzen Liste der syrischen Würdenträger". Alpeyrie wurde schließlich nach Beirut gebracht. Am 24. Juli – rund drei Monate nach seiner Entführung – kehrte er nach Paris zurück. Im Bürgerkrieg in Syrien werden immer wieder syrische und ausländische Journalisten verschleppt."


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